Samstag, 5. August 2017

01./02.08.2017 Uglitsch Programm mit Gänsehaut und Banja

01.08.2017 Torschak - Uglitsch 343 km



Nach 2952 km in Uglitsch angekommen. Gleich am Ortseingang wurde ich am Ortseingang von Wilma und Luda empfangen. Beide Damen sind im Vorstand der Städtepartnerschaften: Freundeskreis Idstein-Uglitsch. Die erste Maßnahme war ein Begrüßungspicknick am Stausee von Uglitsch an der Wolga.


 Ortsschild Uglitsch

 Stausee Uglitsch, Staumauer wurde von deutschen Kriegsgefangenen gebaut.


Ein großes Thema das ich mir ansehen werde ist die Kriegsgefangenschaft von Rolf K. aus Hörden in Uglitsch. Unter anderem wurde die Staumauer mit von deutschen Kriegsgefangenen gebaut. Dazu hat es im Vorfeld der Reise viele lange Gespräche mit ihm gegeben. Um mir die Orte zu zeigen, warenWilma und Luda, bestens vorbereitet.



Gleich nach dem Picknick fuhren wir an den Ort wo die Wohnbaracken der Gefangenen standen. Vieles hat sich verändert und vieles auch nicht. Eine Barake sei tatsächlich aus der Zeit noch übrig. Einige Leute kamen während des Aufenthalts noch hinzu und gaben Hilfestellung bei der Suche. All die vielen Bilder werde ich mit Rolf im Nachhinein analysieren.


Weitere spannende Punkte zu dem Thema sind der ca 2 km entfernte Arbeitsplatz in der Maschinenfabrik Uglitscher Masch und der Lagerfriedhof. Dieser von der Gemeinde Uglitsch und dem Freundeskreis in rührender Gemeinsamkeit, gepflegt wird. Es war tatsächlich möglich, zwar nicht ganz einfach, die Wirkstätte an der Rolf als Gefangener arbeiten musste. Das Betriebsgelände war unter Verschluss und fotografieren nicht erlaubt. Durch mehrere Telefonate im Vorfeld und jetzt wieder vor Ort, mit welchen Leuten und Amtspersonen auch immer. Es funktionierte….. Vielleicht half das Argument, dass ich extra aus Deutschland angereist bin um den ehemaligen Arbeitsplatz meines Großonkels zu sehen.  Dann sogar noch eine Führung im alten eigenen Fabrikmuseum.

Was aber für mich zusätzlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird, auch bei sensiblen Themen, sind diese außerordentliche Hilfsbereitschaft und Deutschfreundlichkeit!









Das war doch ziemlich schwere Kost. Wir verließen den Waldfriedhof ordnungsgemäß mit einseitig nach außen geöffnetem Tor und noch vor 14:00 Uhr, so der russische Brauch!

Jetzt zum Thema der russischen Banja. Allein das ist ein abendfüllendes Thema: Professor Lev und ich in der Banja und Wolga. Das war echtes Kontrastprogramm. Was hab ich gelacht und genossen. Schwimmend in der Wolga sagt er zu mir: Das Leben ist sehr schön und das Leben zu leben ist auch sehr schön!

 Professor Lev der Banja Meister,      als er mich in der Banja mit Birkenzweige bearbeitete flogen die Blätter. 



Der krönende Abschluss war das opulente Picknick an der Wolga mit vielen Freunden. Vieles hab ich dazu gelernt. Unter anderem: Zum Wodka trinken muss immer eine Kleinigkeit gegessen werden, wie z.B. Gurke, Keks, Brot. Dann ist Wodka trinken eine kulturelle Handlung. Wenn nichts dazu gegessen wird, zählt das als Besäufnis!







 Einer der russischen Freunde meinte, dass ich mindestens so große Wellen machen würde wie das Schiffchen.

Zu all den wichtigen und schönen Themen hat Wilma B. noch eine Führung im Uglitscher Kreml , organisieren können. Swedlana hat mir die doch sehr frühe Geschichte nahe bebracht. Ein tagefüllendes Thema. Wenn dann so eine Expertin auch die geschichtlichen Zusammenhänge erklärt im perfektesten deutsch.







31.07.2017 Quellgebiet Wolga

...... links abbiegen dann gerade aus, Velikie Luki nach Torschak 482 km

Nach dem Ausschlafen und Installation der russischen Telefonkarte gings wieder weiter in Richtung Nordosten ins Quellgebiet der Wolga. Die Wolga hat ja nicht nur in ihrem Verlauf ein beachtliches Volumen, sondern auch schon im Ursprung. Da gibts nicht wirklich eine Pfütze die dann Wolgaquelle nennt

Die Pistenfahrerei hat der hintere Spritzschutz nicht ausgehalten und brach weg.
 Was es da am Wegrand alles so gibt....

 So eine Portion Dachsfeff kann ja nicht schaden.
Auch hier geht es Hand in Hand
 Die Strassen hier haben echt Luft nach oben, sogar manchmal auch nach unten.












Dienstag, 1. August 2017

Anreise mit Grenzerfahrung

Anreise zur russischen Grenze und darüber hinaus vom 28.-30./31.7.17

 Zu der Anreise gibt es eigentlich zu Anfang nichts Spektakuläres zu berichten.

1. Etappe nach Weißenberg bei Görlitz waren 629 km bei sommerlichem Wetter. Bei den Wirtsleuten habe ich dann etwas über den Volksstamm der Sorben erfahren (Zentrum Bautzen), da die Ortschaftsschilder auch in sorbisch geschrieben sind. Die Tracht der Spreewälder Frauen sei von den Sorben. Muss ich mal nachlesen, wenn ich zuhause bin.

2. Etappe nach Suwalki war absichtlich als Größte geplant 796 km (eigentlich bis Augustow), da ja am 3. Tag die große Unbekannte kam. Nähmlich die Grenze Lettland-Russland. Die km Schrupperei auf  meist Autobahn und autobahnähnlichen Strecken war ok. Auffällig gute Strassen haben die Polen
und ansonsten gleiche Themen auf den Strassen wie wir: LKW, Staus, Baustellen und spezielle Verkehrsteilnehmer.

3. Etappe 702 km, mit Grenzübergang, eigentlich bis Sebesch gleich nach der Grenze, zum reservierten Hotel. Über die Grenzformalitäten und Zeitaufwendungen bis hin zum Vorgehen an der Grenze, habe ich viel gelesen , recherchiert und mich im speziellen sogar coachen lassen.
Ich denke ich habe meine persönliche Note abgegeben.  Auf jeden Fall war die Übernachtung nicht in Sebesch sondern weiter an der M9 ab dem 31.7. um 04:00 Uhr hat sie begonnen, die Übernachtung.

Um ca. 20:00 Uhr habe ich das Ende der LKW Schlange in Terehova gesichtet. Hochmotiviert für immer freundliche Geduldsamkeit fuhr ich an den LKWs vorbei, ohne mit irgendwelchen wartetenden Fahrern, Blickkontakt aufzunehmen. Ging gut. Die Empfehlung war ja , dass ich mit dem Motorrad bis zur ersten ofiziellen  Kontaktperson vorfahren soll. Gesagt getan.
 Lettland Grenze, Pass, KFZ-Schein, Versicherung, beim nächsten lettischen Kontrollpunkt dann: Fahrzeugkontrolle ausladen. Nicht in einem Seitenstreifen sondern in der Spur, mit ordentlich Publikum. Ok, ich möchte ja da durch.
Russland Grenze. Bis dahin habe ich schon geschnallt, dass bei dem Personal bei deren Einstellung, es wichtig ist , unfreundlich zu schauen und zu sein. Männlein wie Weiblein. Ok ich will ja da durch.
Zettelchen da, Zettelchen dort...

Nach Erhalt des gestempelten Emigrationsschreiben , kam dann das Thema mit dem Fahrzeug-Zollschein 1x rein, 1x raus. Die Zeit lief und vor jedem Häuschen eine Schlange Autos und Menschen (4 PKW Reihen und zwei LKW Reihen und ich dazwischen). Und in Russland kam ja noch eine Stunde Zeitumstellung dazu. Es war schon längst dunkel und die Luftfeuchtigkeit nahm so zu, dass das Papier von den  Anträgen so schlapprig und feucht war, dass man kaum drauf schreiben konnte. Die Schnaken hatten auch Freude an mir.

In der Zoll-Warteschlange habe ich mitbekommen, dass die russischen Touristen immer wieder Probleme hatten, mit korektem Ausfüllen. In der Warteschlange habe ich mal durchgefragt ob jemand deutsch spricht und mir seinen Bogen zum Abgleichen zeigt. Alles wunderbar, meine Nervosität war wieder weg.
Als ich endlich dran war, machte mir die Dame hinterm Glas verständlich, dass ich da zum Kollegen muss mit Motorrad! Ich: nö nö ich falsch hier? nö .  Zum "man" da da...! Nochmal Schlange....

Dann kams aber nochmal dick. Ich habe Name und Nachname mit Geburtsdatum um eine Zeile zu tief geschrieben! Der wusste dass ich kein russisch verstehe und hat mich vollgetextet. Ich habe deutsch geredet und ihm gesagt er soll vorne einen Hinweispfeil nach oben machen. Er russisch ich deutsch.... Dass ich hungrig war wie ein Tier hat ihn nicht interessiert. Ich ging mit zwei neuen schlapprigen Anträgen und füllte die Dinger im Halbdunkel korrekt aus und stellte mich wieder an.

Dann war ich endlich mit gestempelten Papier an der Pol Position zur russischen Fahrzeugkontrolle. Wer hat mein Motorradgepäck kontrolliert....?  Fahrzeugkontrolle ausladen... Fahrersattel runter machen.
Nachdem ich den Schlagbaum passierte, habe ich erst mal alles unter einer Laterne wieder fahrsicher verräumt. Dann war 24:00 +1h.

Ok ab zum Hotel ca 30 km. Mein Navi hat die Hoteladresse nicht angenommen, Kraftstoff so ziemlich aus. In Sebesch hab ich dann mit Google maps  mit offen auf dem Tankrucksack liegendem Handy navigiert. Wohlwissend wenns runterfällt ist es weg! Das Navi führte mich in unbefestigte abschüssige Waldwege mit groben Wasserrinnen. Ok vorsichtig drehen und wieder zurück an den Anfang für einen neuen Anlauf auf einem anderen Weg. Es war mir dann doch zu riskant eventuell beim Drehen in dieser Dunkelheit das Ding umzuschmeißen. Kein Licht, Gepäck abladen, nur Hundegebell, kein Licht oder Hotel in Sicht . Mittlerweile war es 2:00 durch. Ich entschied eine Tanke zu finden, Warmjacke drunterziehen und kürzesten Weg auf die M9 in Richtung Moskau!
Um 4:00 Motelzimmer gefunden und das einem Bushaltehäuschen vorgezogen.
Dann war alles wieder gut!
Ich meine man muss es nicht wirklich erlebt haben, aber spannend war es allemal! Und im Nachhinein kann man auch wieder drüber lachen. Was wir Menschen eh zu wenig machen, mal über sich selbst zu lachen.
Gerne habe ich die Details so aufgeschrieben. Das ist halt Russland und Hubi live!



Im Hotel in Sulwaki  habe ich vier GS Fahrer getroffen, die waren für 30000 km 3,5 Monate unterwegs und waren jetzt am zweitletzten Abend  und konnten gut erzählen.... (Türkei, Iran, China, Indien, Mongolei, Russland)



Sonntag, 30. Juli 2017

Vorwort

Noch bin ich ja auf der Anreise zur russischen Grenze bei Terehova und möchte einfach noch ein paar Notizen anmerken.

Der frühe Wunsch einmal mit meinem Motorrad auf russischem Boden zu stehen und die Erfahrungen aus der Türkeireise 2014 haben die Absicht gefestigt. Entgegen vieler Bedenken von außen habe ich im Frühjahr 2016 begonnen zu  recherchieren.

Mit einem Ansatz einer Route bin ich dann zu meinem Verwandten Rolf K. , der fünf Jahre seiner Jugend in russischer Gefangenschaft an der Wolga verbrachte:" Rolf können wir darüber reden? Rolf wo warst du überall? Rolf da möchte ich hin"! So ein Teil der Motivation.

Alles was ich dann zu Russland lesen, erfragen, hören konnte habe ich aufgesaugt und dabei vieles aus Geschichte und Gegenwart erfahren und besser verstanden!

Als Alleinfahrer war ich natürlich interessiert, irgendwelche Kontakte in Russland zu knüpfen, um im Falle des Falles, auch einen Plan B zu haben.
Bei den vielen Gesprächen mit Rolf K. kam dann eine Person ins Spiel, die bei der Städtepartnerschaft Idstein - Uglitsch eine sehr große Rolle spielt. Genau diese Person hat mich in der Planung und Organisation der Reise phänomenal unterstützt. Ich nenne sie einfach die gute Fee Wilma!

Das maximale Ziel im Osten ist der eurasische Grenzpunkt. Ich glaube bis dahin und zurück werde ich in der Rundreise einiges erleben.
Nochmals vielen Dank an Wilma und Rolf für die vielen Gespräche, Infos und tatkräftige Unterstützung.

Nicht zu vergessen die Unterstützung und das große Verständnis von meiner lieben Frauke!

Und los gehts... 

Donnerstag, 27. Juli 2017

Der Tag davor.

Hallo Welt, ich bin wieder auf Sendung.

Ich grüße euch in 2017.


Unterwegs im geografischen Vorzimmer von Russland




Was gibt’s Neues? 
Nicht viel!

1. Meiner treuen bayrischen Begleiterin (GS) habe ich ein neues Fahrwerk und Gestänge spendiert! Ihr  werdet es auf Bildern schon sehen.
 
2. Meine Camping – Ausrüstung habe ich zum Teil, hinsichtlich Volumen etwas angepasst. So dass wichtige Sachen wie „Magenbitter usw.“ nicht so gepresst verpackt werden müssen!


3. Die Schutzengel die mich schon in der Türkei bestens betreut haben, sind natürlich alle wieder rekrutiert und an Bord!  Da bin ich wieder mit vollstem Vertrauen am Start, schließlich werden die ja auch älter.


4. Was mir etwas Sorge macht, ist das in meiner Reise Apotheke, sich Sachen breit machen wie Voltaren, Pferdesalbe und Beinwell. Böse Zungen behaupten, das hätte etwas mit dem Alter zu tun….. > Glaub ich einfach nicht …Ausrede!!!

5. Und ich bin trotzdem der Alte mit neuem Helm und alten Socken.

Das ist der Plan:



Mal sehen.....